Sonntag, 15. Februar 2009

Der Traum einer jungen Frau

An unserem Messestand haben wir eine Hostesse beschäftigt. Sie ist 19 Jahre alt, natürlich sehr hübsch und trägt auf unseren Wunsch immer einen schönen Sari. Sie war unsere zweite Wahl, aber die bessere. Wir hatten am Tag vor der Messe auf dem Gelände einen Typen angesprochen, der wohl als, nennen wir es mal Manager, für die die Mädchen auftritt. Er hatte vier dabei und empfahl uns diejenige, die Sumit in Gedanken als erste aussortiert hatte. Ihr Englisch war gut, aber sie schien sehr abwesend. Als wir ihr erklärten, was ihre Aufgaben wären (auf die Leute im 15 qm großen Stand zuzugehen und ihnen einen Kaffee anzubieten, war ihre Antwort mit großen Augen: "You mean, like WALK to them? I thought I would just stand here!" Dann sagten wir ihr, dass sie eventuell auch Sandwiches machen müsste. "MAKE them?" - so als ob es etwas völlig absurdes wäre. Wir sagten schließlich, dass sie wohl andere Vorstellungen vom Hostess-Job hat als wir und dass wir uns nach einer anderen umschauen wollten. Aber dann meinte sie, sie könne sich doch damit arrangieren und ihr Manager bestand auch darauf, dass wir sie nehmen sollten. Sumit und ich hatten beide Bauchschmerzen dabei. Später am Tag kamen dann zwei Mädels zu uns, von denen die eine bereits bei einem anderen deutschen Aussteller engagiert war. Sie wirkten so freundlich und offen, dass wir die zweite, Pari, spontan ansprachen und engagierten. Wir sagten dem Manager per Telefon ab - er rief bis spät in die Nacht immer wieder an, um uns umzustimmen.

Die erste hätte 1500 Rupien, also 24 Euro, am Tag gekostet, von denen sie aber höchstens 450 bis 600 gesehen hätte. Pari bekommt jetzt 1200 von uns, die ihr ganz allein gehören. Hat sie ja auch ganz allein verdient. Ich habe sie gerade gefragt, warum nicht alle Frauen es so wie sie machen und direkt zu den Ausstellern gehen. Sie meinte, dass nicht alle allein einen Job finden und dass viele auch daheim bleiben und von ihrem Manager bei einem Auftrag nur angerufen werden.

Pari jedenfalls war ein Glücksgriff, weil sie sehr offen ist und auch einfach mit anpackt. Das konnte ich mir bei der ersten gar nicht vorstellen. Pari ist noch nicht verheiratet und hat auch keinen Freund - sie will sich erstmal um ihre Karriere kümmern. Sie macht derzeit eine Ausbildung als Flugbegleiterin. Später will sie dann parallel zum Job ihren MBA machen, um dann als Personalleiterin bei derselben Airline zu arbeiten.
"Bis ich das erreicht habe werde ich mich nicht verlieben oder gar heiraten. Völlig ausgeschlossen. Erst mal die Karriere."
"Echt, und wie alt bist du dann, wenn du Personalleiterin bist?"
"Naja, so 25 oder 26 Jahre alt."
"Aha, und du denkst, dass du dich bis dahin nicht verliebst?"
"Ja, klar."
"Und du denkst, dass du das kontrollieren kannst?"
"Natürlich, ich treffe mich einfach nicht mit Männern."
"Ja, aber stell dir vor, dir begegnet einfach ein total netter Typ und du fragst dich dann: Vielleicht ist das der Mann meines Lebens und ich lass ihn jetzt ziehen, nur für meine Karriere."
"Das wird nicht passieren. Und wenn - es gibt so viele einigermaßen nette Männer, da werde ich schon was finden, wenn es soweit ist."
"Und außerdem seid ihr indischen Frauen ja auch total im Vorteil, weil ihr in der Minderheit seid und ihr euch deshalb in Ruhe den besten Mann aussuchen könnt."
(lacht) "Genau!"
"Und, wirst du dann auch weiter arbeiten?"
"Ja, natürlich! Es wäre ja schön blöd, so viel Anstrengung da reinzustecken und dann das Leben am Herd zu verbringen."
"Sehe ich auch so."
"Meine Familie auch. Sie unterstützen mich sehr. Sie sind sogar sehr streng darin und würden mir auch gar nicht erlauben, vorher zu heiraten."

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