Was für ein Erlebnis! So oft gesehen, so viel davon gehört - und jetzt sehe ich es mit eigenen Augen. Aber richtig einfach wird es mir nicht gemacht. Viel Chaos um das Taj herum, viele Stände, viele Verkäufer, viele "Guides", die mir ihr Fachwissen anbieten. Aber ich will es ja allein machen, habe ja schließlich mein schlaues Buch dabei. Mein Fahrer hat mich noch gewarnt: "Du darfst nichts mit reinnehmen, keine Taschenrechner, Handy nur ausgeschaltet, keine Waffen." Ok, Waffen verstehe ich. Farbeimer würde ich auch verstehen. Aber warum keine Taschenrechner? Und warum sind Handys erlaubt, die doch alle Taschenrechner sind? Naja, wird schon nicht so wild sein, dachte ich mir. Ich kenne die Kontrolle in Indien ja mittlerweile. Vor jedem Straßenmarkt, vor jeder Shoppingmall, vor jedem Hotel, vor jeder Messehalle stehen die piepsenden Türrahmen, durch die der Besucher zu schreiten hat. Geht er außen rum, wird er schroff darauf hingewiesen, doch bitte durch den Rahmen zu gehen, der dann auch ob der Schlüsselbunde, Handys, Säbel, Maschinengewehre oder was man eben sonst so dabei hat auch brav lospiepst. Aber das ist dann ok. Es piepst und man darf weitergehen. Manchmal werden auch die Taschen kontrolliert, das bedeutet, ein flüchtiger Blick hinein reicht - der sicherlich nicht nicht die Krummsäbel entdeckt hätte, die ich immer unter meiner Schminkschatulle dabeihabe. Nungut, so habe ich mir das also auch beim Taj Mahal vorgestellt. Doch hier wurde richtig kontrolliert. So richtig mit alles durchwühlen und so. Natürlich entdeckt sie auch meinen Ipod, der nicht erlaubt ist. Außerdem nicht erlaubt: Meine alte Bonbondose und - mein Kuschelstofftier-Fisch! Wirklich! Ein kleines blaues Schlüsselanhänger-Fischlein von fünf Zentimetern Durchmesser! Eine Bedrohung! Ich musste also den ganzen Weg zurückjoggen, alles einschließen lassen, wieder zurück in die Schlange und dann, endlich, betrete ich das Grundstück des Taj Mahal. Der Weg führt durch ein paar architektonische Präliminarien, man schreitet durch den Torbogen und dann taucht es auf. Weiß in der Sonne, blauer Himmel, kreisende Vögel, grüne Wiese und viele buntgekleidete Menschen. Was für ein Anblick. Es war wirklich erhebend. Je näher ich kam, desto erhebender war es. Es ist so schön, dass ich fast weinen musste. Eine Gebäude mit Wirkung, zweifelsohne. An seinem Fuße angekommen muss ich dann meine selbigen ver- oder enthüllen, um den weißen Marmor betreten zu dürfen. Mit sehr vielen anderen Leuten begebe ich mich ins Allerheiligste, also hinein ins Taj, wo noch der Sarg der hochgebohrenen Ehefrau zu finden ist, zu deren Ehren dieses Mausoleum errichtet wurde. Von Ehrfurcht, Andacht, Ruhe ist hier aber nichts zu spüren. Es ist ein Gedränge und Geschubse ohnegleichen. Was aber in Indien natürlich nicht schlimm ist. Was ich aber schlimm finde sind die Wächter. Die müssen für irgendeine Form von Ordnung sorgen und das tun sie, in dem sie in den hohen Marmorhallen mit ihren Trillerpfeifen pusten, was das Zeug hält. Ohrenbetäubend. Hat meine Ehrfurcht ziemlich ernüchtert. Aber auch danach streife ich noch auf dem Gelände umher, beobachte die Menschen und freue mich am Anblick. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Hallo Daniela! Ich finde Deine Komentare sehr lebendig, so als wäre man dabei...alles sehr interessant!!Weiterhin gute Reise!!
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