Freitag, 20. Februar 2009

Incredible India: Kontaktlinsen

Als ich am Freitag um fünf Uhr morgens das Haus verließ, um mich in den Zug nach Jaipur zu setzen, bin ich mit Brille auf die Straße gegangen. Etwas, was ich in den letzten zwanzig Jahren vielleicht zweimal gemacht habe. Ich trage immer Linsen. Dieses eine Mal dachte ich, für die frühe Zugfahrt ist es vielleicht besser, dann kann ich noch ein bisschen dösen, ohne dass meine Augen komplett zukleben. Es kommt, wie es kommen muss - als ich die Linsen einsetzen will, stelle ich fest, dass ich nur eine dabei habe. Geschickt, die Dame! Also laufe ich in Jaipur mit Brille rum. Es ist heiß, die Sonne brennt. Die Brille rutscht und eine Sonnenbrille kann ich so auch nicht tragen. Außerdem bin ich als Linsenträger anderen Sehkomfort gewöhnt und werde so langsam richtig schlecht gelaunt. Einen Optiker scheint es nicht zu geben, ich frage zwei Leute. Als ich so über einen Straßenmarkt schlendere, komme ich an einem Shop vorbei, der Sonnenbrillen und angeblich auch "Contact Lenses" hat. Na, das wollen wir doch mal sehen. Dazu muss ich sagen, dass ich derart kurzsichtig bin, dass meine Linsen in den meisten Optikerläden in Frankfurt nicht vorrätig sind. Ein junger Mann sagt, dass er seinen Bruder anrufen muss, aber dass er denkt, dass er die Linsen für mich hat. "Wie lange würde das dauern?" frage ich skeptisch. "Höchstens zehn Minuten." Klar. Zehn indische Minuten vielleicht. Zwei Minuten später kommt der Bruder persönlich vorbei, holt sich die Details, verschwindet wieder, telefoniert, trifft jemanden, kommt wieder. In der Zwischenzeit unterhalte ich mich mit dem jüngeren Bruder über die Unterschiede zwischen China und Indien. Als ich mir eine Cola Light holen will, zieht er selbst los, kauft sie und lässt sie mich noch nicht mal bezahlen.
Von jaipur-web

Etwa 8,5 Minuten, nachdem ich diesen Shop aufgesucht habe, ist der ältere Bruder wieder da, gibt mir die Linsen, ich bezahle und gehe staunend von dannen.

1 Kommentar:

  1. Indien auf dem Vormarsch, bitte für einen Oscar nominieren, das sind Tugenden die erlebt werden wollen...:-)

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