Dienstag, 24. März 2009

Der Strand von Puri

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Nach den nicht vorhandenen, najagut, nicht gesehenen sensationellen Bergen um Darjeeling hatte ich sehr geringe Erwartungen an den Strand von Puri. Auch der Reiseführer ergoss sich nicht gerade in Begeisterungsstürmen. Aber als wir ankamen, fand ich ihn doch recht attraktiv. Eigentlich, bis auf den fehlenden Schatten, ein perfekter Strand: sehr, sehr viel feinkörniger Sand, auch im Meer reiner Sandboden, keine Steinen, keine Algen, keine Quallen, keine anderen Monster. Bis auf viele, viele Krabben, die sich aber brav verdrückt haben, wenn man in ihre Nähe kam. Das Meer wirklich sauber, der Strand auch relativ sauber. Tolle hohe Wellen, also so hohe, dass mein Kopf im knietiefen Wasser auch mal nasswerden konnte. Also, ich fluche ja immer auf son Ballermannscheiß und diese ganzen schrecklich touristisch erschlossenen strände. Ab jetzt weiß ich es aber auch zu schätzen. In Puri nämlich vermietet niemand Sonnenschirme und -stühle - das wäre echt perfekt gewesen. Es kommt auch niemand mit Cocktails und Eiscreme vorbei (wenn man von echten Kokosnüssen bzw. deren in selbiger dargereichten Saft und selbst gefrorenem, bunt gefärbtem Wassereis mal absieht). Schatten kann man dann aber doch kaufen, und zwar in Form von einer Plastikplane, die kunstvoll mit vier Pfählen, vier Seilen und vier Pflöcken gespannt wird. Aber der gute Mann will natürlich, sich der Marktlage und der quälend-heißen Sonne bewusst, ein Heidengeld dafür haben. 100 Rupien für ein paar Stunden. Das sind zwar nur 1,60 Euro, aber wenn ich weiß, dass ich dafür 20 Toast mit Rührei oder 25 kleine Teebecher oder vier Salatteller bekomme, finde ich das echt viel Geld. Zumal die Massage, die uns auch mehrmals täglich angeboten wird, 150 Euro für eine Stunde kostet. Und der Mensch tut wirklich was für sein Geld. Am Strand in sengender Sonne 60 Minuten lang jemanden durchzukneten kostet sicher richtig viel Kraft und Schweiß. Nach sehr zähen Verhandlungen konnten wir den Schattenverkäufer auf 50 Rupien runterdrücken - aber dann kam er auch nach drei Stunden und wollte seinen Schatten wiederhaben. Nicht, dass er die Plane gebraucht hätte, die Nutzungszeit war einfach abgelaufen. Pah!

Auch ansonsten wird man sehr oft angesprochen, was den Strandaufenthalt nicht zu einem erholsamen Event in unserer Definition werden lässt. Ob wir Schmuck kaufen wollen? Eine Massage? Eine Kokosnuss? Bananen? Selbstgemachtes Eis? Warmes Essen? Ob wir einfach so mal ein paar Rupien locker machen können? Aus welchem Land wir kämen? Ob wir Zeit für ein Interview bzgl. interkultureller Studien hätten? Kamelreiten gefällig? Mehr fällt mir gerade nicht ein. Aber all dies mehrmals am Tag. Das kann nerven, ich sag es euch. Und natürlich geben die guten Leute auch nicht beim ersten Nein auf, sondern man muss seinem Unwillen mehrmals Ausdruck verleihen. Ein zweiter Punkt, der den Meergenuss trübt, sind die indischen Sitten. Wenige können schwimmen, das heißt NIEMAND wagt sich weiter vor als ca. zehn Meter ins Meer hinaus. Hinzu kommt in Puri noch die extrem starke Strömung, die einem wirklich leicht den Boden unter den Füßen wegreißen kann. Insofern ist hier also ein Plantschen und Wellenspringen in sehr naher Ufernähe angesagt. Zum zweiten die Kleidung. Die indischen Frauen gehen ALLE mit kompletten Kleidern ins Wasser. Ob das die Saris sind, die aus fünf Metern Stoff bestehen oder die Dreiteiler. Nichtmal das Tuch davon lassen sie weg, sie gehen in kompletter Montur ins Wasser. Ich weiß gar nicht, was sie danach machen. Gehen sie dann triefend ins Hotel und tropfen dort alles voll? Warten sie so lange in der Sonne, bis sie so halbwegs trocken sind? Keine Ahnung. Die Männer gehen auch fast alle mit halblanger Hose und T-shirt ins Wasser, wir haben nur zwei oder drei Männer insgesamt gesehen, die in Badehosen plantschten. Da kommt man sich in seinem eigentlich braven Badeanzug auf einmal schon recht nackt und unzüchtig vor. Aber ich will nicht meine kompletten Kleider versalzen.

Ansonsten haben wir in Puri die Backpacker-Annehmlichkeiten genossen, die solche Orte, die viele Rucksack-Touristen und Hippies wie uns :) anziehen, mit sich bringen: Morgens Bananen-Schoko-Pancakes, Omlettes, Kaffee, Obst mit Joghurt, Müsli und so weiter. Abends haben wir ein paar Mal das angepriesene SeaFood probiert, aber hatten irgendwie kein Glück und der Fisch hat nicht so berauschend geschmeckt.

Aber selbst in Puri sollte man nicht nur am Strand oder in Cafes rumhängen und Urlaub machen. Schließlich ist im 30 km entfernten Konark der zum Unesco-Weltkulturerbe ernannte Sonnentempel. Dort haben wir uns einen staatlichen Führer geleistet, der uns viel über den Tempel erzählte. Hier ein Auszug aus Wikipedia:
"Die Tempelanlage wurde Mitte des 13. Jahrhunderts unter König Narasimha Deva (1238–1264) gebaut. Der Bau wurde als symbolisches Gespann (Ratha) des Sonnengottes Surya mit sieben Pferden errichtet. Von Surya ist auf der Rückseite noch ein Standbild aus grünem Granit erhalten. An der hohen Sockelzone des Tempels befinden sich 24 große, aus dem Stein gemeißelte Wagenräder, Reste der Zugpferde und eine enorme Vielzahl von detailreichen kleineren Darstellungen. Viele davon stellen Menschen bei sexuellen Handlungen dar."
Der Führer hat uns einiges berichtet über die Entstehungsgeschichte, über Architektur, Tänze und Sex im allgemeinen und im religiösen Kontext. Leider hatten wir beide Probleme, seine Aussprache zu verstehen, insofern ist nicht soooo viel hängen geblieben. Aber ein paar Fotos für euch haben wir natürlich.
w-konkark

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