Mittwoch, 11. März 2009

Steiniger Weg ins vermeintliche Paradies

Wer der Hitze, dem Lärm, dem Verkehr und den vielen Menschen Kolkatas entfliehen will, tut dies meist in die "nahegelegenen" Berge in der Gegend um Darjeeling. Kühles Grün, kleine Dörfer, Ruhe, gute Luft, Teeplantagen - das klingt wie im Paradies nach vier staubigen Wochen Indien. Doch der Weg dahin ist lang: Der Zug braucht für die 600 km 11 Stunden, die wir aber größtenteils schlafend verbringen. Der Zugwagon ist angefüllt mit Liegen, von denen sich jeweils acht anschauen: Zweimal drei und einmal zwei Betten übereinander. Wir fahren in enger Gemeinschaft mit einer 16köpfigen Familie, die in Siliguri den Sohn verheiraten wollen. Liebesheirat, wie mir der ältere Cousin augenzwinkernd erzählt. Er selbst ist Banker und fragt mich auch gleich nach meinen Geldanlagen in diesen Zeiten. Es ist eine freundliche Familie und wir schlafen nach ein paar Stunden auch alle einträchtig ein. Das ein oder andere Schnarchen stört fast niemand.

In Siliguri angekommen bringt uns ein TukTuk samt Gepäck nach New Jalpaiguri. Von dort geht es im Bus weitere vier Stunden in die Berge. Die Sitze sind sehr sehr eng - sagen wir es deutlich: Daniel und ich passen nicht zusammen auf die für zwei Personen gedachte Sitzbank. Getrennt und in Kombination mit einem Inder jedoch können wir dann doch mitfahren. Am Busbahnhof wird uns noch ein köstlicher Salat angeboten: Der junge Mann hat in seinem Brustkorb säuberlich geschnittene Gurken, Tomaten, Kartoffeln, Kräuter, Zwiebeln - er vermischt alles in einem Becher, würzt sehr scharf mit Masala und Limone und serviert es auf einem Stück Hochglanzmagazin mit zwei Löffeln, die aus einer Anzeige der Airlines Emirates gezimmert sind. Sensationell!

Die Fahrt zieht sich. Die Straße ist schmal und immer eng am Abgrund entlang. Aber wir halten durch, schließlich ruft das Paradies.

Kurseong liegt auf halber Strecke nach Darjeeling, dort übernachten wir in einem kolonialen Hotel, was uns so angepriesen worden war, dass die Realität fast keine Wahl hatte, als zu enttäuschen. Hier ein paar Bilder – ja gut, es ist schon ganz schön.
l_kurseong
Außerdem gibt es kein Huhn, was die Speisekarte um 80% auf Kartoffeln und Salat reduziert. Naja, is ja nur für eine Nacht. Morgen wartet auf uns der Toy-Train.

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