Wer sich von Darjeeling weiter gen Nordosten bewegt, betritt unweigerlich den Bundesstaat Sikkim, für den wir als Ausländer eine Genehmigung brauchen. Die haben wir uns bereits in Siliguri organisiert. Das gängigste Fortbewegungsmittel hier sind Jeeps. Geteilte Jeeps. Elf Fahrgäste, ein Fahrer. Meist sitzen vorne neben dem Fahrer drei Leute und in den zwei Bänken dahinter jeweils vier. Kofferraum braucht man nicht, es gibt ja das Dach.
Wir glaubten uns schlau und kauften die ersten drei Sitze neben dem Fahrer, um sicherzugehen, die fünfstündige Fahrt mit allen Körperteilen unbeschädigt zu überstehen. Der Plan ging nicht auf, es war ein anderes Jeepmodell, das nur zwei (indische) Hinterteile neben dem Fahrer vorsah, was für uns zu eng war, zumal der Fahrer dann immer zwischen Daniels Beinen kuppeln musste. Aber der Straßengott hatte ein Einsehen und sorgte dafür, dass der Jeep nicht ausgebucht war und trotzdem fuhr. So wechselten wir auf die hinterste Bank, wo wir fortan als menschliche Gummibälle unser Dasein fristeten.
Als das Auto aus der Parklücke geschoben werden musste, weil es nicht allein ansprang, schwante mir Böses. Der Fahrer jedoch fuhr ganz gelassen in den nächsten Dörfern die Autoreparateure an, bis einer das passende Ersatzteil hatte und es in einer Fünf-Minuten-Aktion einbaute.
95 km, 4,5 Stunden. Shake it, baby. Wenn wir nicht von den Schlaglöchern erschüttert wurden, waren es die Schwellen, die für langsames Fahren sorgen sollen. Auf dem ersten Drittel der Fahrt war die Straßenqualität unsäglich. Dass wir immer am Abgrund entlang fuhren, machte es nicht angenehmer. Entgegen kommende Autos wurden von unserer Existenz durch ein Hupen benachrichtigt. Das zweite Drittel war fast malerisch. Entlang des Teesta-Flusses, der grün-blau, sauber und erfrischend aussah und in einem weißen Steinbett fließt, führte die Fahrt auf mittlerweile recht ordentlichen, aber sehr schmalen, einspurig anmutenden Straßen. Die bessere Qualität erlaubte allerdings auch ein höheres Tempo, was zu erneuten Angstschüben unsererseits führte. Die Mitfahrenden waren alle tiefenentspannt, schliefen sogar teilweise trotz der ständigen Erschütterungen. Der Fahrer seinerseits hatte keine Probleme, neben der Straße und den entgegen kommenden Autos auch noch die ständigen Anrufe seiner nörgelnden Frau entgegen zu nehmen.
Das letzte Drittel der Fahrt war dann im Dunkeln. Eigentlich gut, denn die Lichter der entgegen kommenden Autos sieht man ja sehr gut. Und den Abgrund, in den man fahren könnte, sieht man nicht mehr so deutlich.
Jetzt sind wir also heil in Gangtok angekommen. Diese Stadt ist wie Darjeeling an den Berg geklebt, das heißt, sehr steile, sehr dünne Straßen. Die Aussicht soll auch hier sensationell sein, von der wir auch hier NICHTS mitbekommen. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint - aber um uns herum ist nur dichter, weißer Nebel. Die Bergketten dahinter sind sicher toll. Wenn es sie überhaupt gibt. Wer weiß das schon.
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| n_gangtok |

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