Es ist nicht immer alles ganz leicht in Indien und gerade als Deutsche stoße ich hier schon das ein oder andere Mal an meine Grenzen. Es ist so laut, so heiß, so viel Verkehr und vieles dauert einfach soooo lang. Als Oase für mich habe ich das Kino entdeckt, das ist nämlich fast so "wie bei uns daheim". :) Nein, im Ernst, es ist echt toll. Es ist kühl (fast sogar zu kalt, ich friere jedenfalls immer), ruhig und angenehm. Ich war bereits viermal im Kino (Slumdog Millionaire, Benjamin Button, Eagle Eye, Slumdog Millionaire). So verzweifelt, dass ich mir auch Pink Panther2 anschauen musste, war ich noch nicht. :)
Vor Betreten des Kinos wird man durchsucht, ob man nicht eigene Getränke oder Essen dabei hat (natürlich nur zu meiner eigenen Sicherheit). Dann kann man sich mit selbigen eindecken. Aber nicht so schwachsinnig wie bei uns: Nachos und Popcorn, also die Snacks, die am meisten Krach beim Essen machen. Wer auf diese Idee gekommen ist....In Indien jedenfalls gibt es natürlich auch Popcorn, aber es gibt auch sehr viel leises Essen: Eiscreme, Sandwiches, Burger und vor allem: Mais. Ich liebe Mais. Hier kann man ihn in kleinen Bechern kaufen, schon vom Körper abgelöst, gedämpft und dann nach Belieben frisch gewürzt, also zb mit Limone und Butter und Salz. Mjam! Schon allein deshalb lohnt sich der Kinobesuch. :)
Natürlich werden wir auch immer auf Waffen untersucht, aber die Auswahlkriterien, was erlaubt ist und was nicht, sind nicht immer ganz transparent. So musste ich einmal die Batterien von meiner Foto-Kamera draußen lassen. Auch die Wasserflasche musste ich in einem Kino abgeben, in einem anderen wurde nur die Banderole abgenommen, aber die Flasche samt Inhalt durfte ich mitreinnehmen. Als ich mit Daniel im Kino war, wurde natürlich auch seine Tasche untersucht, in der als geübter Abenteurer selbstverständlich ein Schweizer Taschenmesser hatte. Der Sicherheitsmensch fragte dann auch, was das denn sei und Daniel sagte: „Ein Messer“ – und durfte es mit ins Kino nehmen.
Vor dem Film gibt es nur ein oder zwei Werbespots, ebenfalls sehr angenehm. Dann wird ein kopiertes Zertifikat eingeblendet, das einem versichert, dass man nun einen echten, ehrlich erworbenen Film zu sehen bekommt und nicht etwa eine Kopie. Ganz in unserem Sinne. Die meisten Inder scheinen die letzten fünf Reihen zu lieben, dort ist immer alles proppevoll. Mein Lieblingsplatz Mitte-Mitte ist billiger und immer frei. Der Film selbst wird kurz in der Mitte unterbrochen, damit man sich wieder mit Mais und Eis versorgen kann, aber echt nur kurz! Vielleicht ein oder zwei Minuten, also ranhalten!
Montag, 9. März 2009
Freitag, 6. März 2009
Echte Liebesgeschichten, nur geänderte Namen
Rahul und Sadhu gehen zusammen aufs College und sind ineinander verliebt. Mehrere Jahre gehen ins Land, beide sind glücklich. Eines Tages verschwindet Sadhu ohne ein Wort, Rahul hat keine Möglichkeit, sie zu finden. Zwei Jahre später meldet sie sich bei ihm, sie ist verheiratet und hat ein Kind. Die Ehe läuft nicht gut, sie denkt an Scheidung. Rahul, der bisher ungebunden geblieben war, überlegt, sie nach der Scheidung zu heiraten (ein an sich schon sehr revolutionärer Gedanke hier). Aber er rennt gegen uneinnehmbare Wände bei seinen Eltern und Freunde. Er kämpft dafür, aber sie lassen es nicht zu. Letzten Endes heiratet er eine völlig fremde Frau in einer arrangierten Heirat. Er hat sie nie vorher gesehen. Ob er sie liebt? "Sie ist sehr nett zu mir und kümmert sich sehr gut um mich. Ich mag sie sehr gerne - aber lieben, nein, ich liebe sie nicht. In meinem Herz ist immer noch meine erste Liebe."
Sunder hat keine Probleme mit Frauen. Schon früh hat er weibliche Freunde, mit denen er gut zurecht kommt, die er mag und denen er vertraut. Aber er wartet lange mit einer Heirat und als er sich letztendlich zu einer solchen entschließt, besteht er auf einer arrangierten. Er möchte, dass seine Familie die Braut auswählt. Sie soll jemand völlig fremdes für ihn sein, nur etwas künstlerisches sollte sie machen. Weil er bereits Künstler in der Familie hat und diesen Schlag Mensch interessant findet. Seine Familie schlägt mit Hilfe einer professionellen Vermittlerin eine junge Frau vor, die beiden treffen sich, unterhalten sich, finden sich sympathisch. Sunder fragt sie, ob sie ihn auch mögen könnten und sich eine Ehe vorstellen kann. Sie sagt ja. Zwei Monate später findet die Riesenhochzeit statt, 1000 Gäste sind geladen. In ein paar Wochen wird Sunder Vater. Er ist sehr glücklich mit seiner Frau, sie passen gut zusammen und er mag es, sie zu verwöhnen. Während ein paar seiner Freunde mit ihren Freundinnen bereits vor der Heirat Kontakt haben und sich morgens beim Aufstehen anrufen, dann beim Frühstücken, dann auf dem Weg zur Arbeit, dann in der Teepause, dann nach dem Mittagessen, dann in der Teepause, sich dann nach Feierabend kurz sehen und abends nochmal kurz telefonieren. Wenn solche Pärchen dann heiraten, sei es mit der Romantik vorbei. Sunder hingegen kann mit seiner "frischen" Frau ganz von vorne anfangen, er kann sie ausführen, verwöhnen und das volle Romantik-Programm durchziehen. Und es läuft richtig gut.
Ajoy ist ein junger aufgeklärter Mann. Er macht sich um die Umwelt in Indien Gedanken und über den Verbrauch von Plastiktüten, der hier noch ohne Rand und Band praktiziert wird. Er ist seit sieben Jahren mit seiner Freundin zusammen, die er auch eines Tages heiraten wird. Warum noch nicht jetzt? Weil sie aus einer guten Familie stammt und einen hohen Lebensstandard gewohnt ist. Er sieht es als seine Aufgabe an, ihr diesen Standard mindestens auch bieten zu können - und daran arbeitet er. Eine Mitgift würde er niemals akzeptieren, schließlich wäre es kein Geld, dass er verdient hat, sondern jemand anderes und er würde sich sehr schlecht fühlen, wenn er sich daran bereichern würde. So arbeitet er fleißig und bildet sich weiter, bis er meint, seiner Angebetenen würdig zu sein.
Sunder hat keine Probleme mit Frauen. Schon früh hat er weibliche Freunde, mit denen er gut zurecht kommt, die er mag und denen er vertraut. Aber er wartet lange mit einer Heirat und als er sich letztendlich zu einer solchen entschließt, besteht er auf einer arrangierten. Er möchte, dass seine Familie die Braut auswählt. Sie soll jemand völlig fremdes für ihn sein, nur etwas künstlerisches sollte sie machen. Weil er bereits Künstler in der Familie hat und diesen Schlag Mensch interessant findet. Seine Familie schlägt mit Hilfe einer professionellen Vermittlerin eine junge Frau vor, die beiden treffen sich, unterhalten sich, finden sich sympathisch. Sunder fragt sie, ob sie ihn auch mögen könnten und sich eine Ehe vorstellen kann. Sie sagt ja. Zwei Monate später findet die Riesenhochzeit statt, 1000 Gäste sind geladen. In ein paar Wochen wird Sunder Vater. Er ist sehr glücklich mit seiner Frau, sie passen gut zusammen und er mag es, sie zu verwöhnen. Während ein paar seiner Freunde mit ihren Freundinnen bereits vor der Heirat Kontakt haben und sich morgens beim Aufstehen anrufen, dann beim Frühstücken, dann auf dem Weg zur Arbeit, dann in der Teepause, dann nach dem Mittagessen, dann in der Teepause, sich dann nach Feierabend kurz sehen und abends nochmal kurz telefonieren. Wenn solche Pärchen dann heiraten, sei es mit der Romantik vorbei. Sunder hingegen kann mit seiner "frischen" Frau ganz von vorne anfangen, er kann sie ausführen, verwöhnen und das volle Romantik-Programm durchziehen. Und es läuft richtig gut.
Ajoy ist ein junger aufgeklärter Mann. Er macht sich um die Umwelt in Indien Gedanken und über den Verbrauch von Plastiktüten, der hier noch ohne Rand und Band praktiziert wird. Er ist seit sieben Jahren mit seiner Freundin zusammen, die er auch eines Tages heiraten wird. Warum noch nicht jetzt? Weil sie aus einer guten Familie stammt und einen hohen Lebensstandard gewohnt ist. Er sieht es als seine Aufgabe an, ihr diesen Standard mindestens auch bieten zu können - und daran arbeitet er. Eine Mitgift würde er niemals akzeptieren, schließlich wäre es kein Geld, dass er verdient hat, sondern jemand anderes und er würde sich sehr schlecht fühlen, wenn er sich daran bereichern würde. So arbeitet er fleißig und bildet sich weiter, bis er meint, seiner Angebetenen würdig zu sein.
Essen auf der Straße
Es wird Zeit, diesem Thema einen eigenen Artikel zu widmen. Ich bin ein großer Fan der kleinen Köstlichkeiten, die man hier überall kaufen kann. Hier eine Selektion:
- Tee und Kekse: Gläser mit diversen Kekssorten sind ein gutes Indiz, dass man an diesem Stand auch leckeren, würzigen, süßen, heißen, schwarzen Tee mit Milch bekommt.
- Obst und Gemüse: Dekorativ auf ein paar Bananenblättern angerichtet schneiden die Verkäufer ihr Obst in mundgerechte Stücke, mischen sie zu einer guten Kombination, streuen etwas Massala (Gewürzmischung, ja, salzig!) darauf und verkaufen die Portion für 10 Rupien (16 Cent). Enthalten sind meist: Äpfel, Bananen, Papaya, Gurke, Karotte, eine Kohlrabi-Art, manchmal Ananas und Trauben. Diese Stände kann man ob ihrer Farbenpracht nicht übersehen - aber auch die Nase erkennt sie. Denn die Verkäufer verbrennen meist jede Menge Räucherwerk, so dass es um sie herum wie in einem Tempel riecht. Ich nehme an, das soll die Fliegen vertreiben.
- Diverse salzige Mahlzeiten: Kleine salzige Kringel (gereicht mit dreierlei Sauce), die auch bei uns bekannten Samosas, salzige Pfannkuchen mit Zwiebeln oder anderem Gemüse, ganze Mahlzeiten mit Naan-Brot, chinesische Nudelgerichte - die Variationen an Möglichkeiten sind unendlich. Ich habe noch nicht alle probiert, aber was ich bisher kostete, war köstlich.
- Wasserkugeln: Das bisher bizarrste Streetfood-Erlebnis. Wollte mir Sumit zeigen, als etwas typisch indisches. Es nennt sich Putschka. Die Verkäufer haben einen Berg mit hohlen Teigkugeln in ihrer Vitrine. Diese bestehen aus irgendeiner knusprigen (!) Teigart, vielleicht vergleichbar mit dünnem Mürbeteig. Diese Kugel wird dann mit dem Daumen aufgebrochen und der Verkäufer füllt sie mit ein paar Kartoffelbrocken und KALTER Brühe. Man steh daneben und wird sozusagen stückweise von ihm gefüttert. Naja, essen muss man selbst, aber man kauft zb fünf stück und er bereitet den nächsten Bissen erst zu, wenn man aufgekaut hat, weil es sonst ja total durchweichen würde. Es ist ein sehr seltsames Essgefühl, glaubt es mir.
- Die Süßholzraspler: Zuckerrohrstangen werden auf einer sehr antiken Maschinen ausgepresst und der Saft dann als Stärkung verkauft. Gleiches geht auch mit einer Zitrusfrucht. Diese wird nicht wie bei uns ausgepresst, sondern geschält und durch den Fleischwolf gejagt.
Donnerstag, 5. März 2009
Incredible India: Got change?
Ich kann es nicht mehr hören. In Indien hat niemand Wechselgeld. Ich verstehe es ja, dass ein kleiner TucTuc-Fahrer, mit dem die Fahrt 5 Rupien kostet, Probleme hat, einen 100-Rupien-Schein zu wechseln. Aber ich verstehe nicht, dass er auch Probleme hat, einen 20- oder 10-Rupien-Schein zu wechseln. Oder ich sitze in einem Cafe - und es kostet 140 Rupien. Ich gebe 150 und stürze den Kellner in tiefe Besorgnis, weil er nicht weiß, woher er die 10 Rupien Wechselgeld nehmen soll. Oder Mittags der Essens-Lieferant. Wir bestellen Essen für 720 Rupien und er kommt ohne einen Cent Wechselgeld in der Ewartung, dass wir das schon irgendwie hinkriegen. Ich sage ihm dann, dass das sein Problem sei und nicht unseres, wie er an sein Geld kommt. Hier sind 1000 und ich will bitte das Wechselgeld. Er musste nochmal zurück ins Restaurant. Am schönsten war es gestern im Supermarkt. 126, ich gebe 150 - erneut große Verzweiflung. Ob ich noch was kaufen könnte? Wir bekommen große Probleme, wenn wir dir das Geld jetzt rausgeben müssen. In einem Supermarkt. Abends. Vielleicht war schon jemand da und hat das Geld abgeholt, so dass deshalb nichts in der Kasse war. Aber wie kann man so wenig Geld übrig lassen, dass man noch nicht mal 26 Rupien (40 Cent) rausgeben kann?
Tagesablauf im indischen Büro
9.15 Der Facility Manager und Tea-Boy öffnet das Büro, stellt die Klimaanlage an, leert die Mülleimer
9.20 Eine Putzfrau geht mit einem Strohbesen über den Teppich und wässert den steinernden Eingangsbereich
9.30-10 Die Kollegen treffen ein
9.45 Erster Durchlauf der Wasserfilteranlage, die dabei digitale Musik macht
10 Ausdruck der Emails auf einem Nadeldrucker
12 Tee-Pause mit einem Keks
14 Mittagessen. Entweder es wird bestellt oder alle essen ihr mitgebrachtes: Meist Reste vom Vorabend in kleiner Menge, mit etwas Brot. Wenn jemand nichts dabeihat, wird bereitgiebig geteilt
16.30 Teepause mit einem Keks
18 Feierabend
18.01 Alle Steckdosen, Lichter, Ventilatoren, Modems usw werden abgeschaltet
18.05 Der Facility Manager schließt das Büro ab: Zuerst werden innen alle Räume abgeschlossen und am Ende die Außentür mit vier Schlössern an zwei Türen und einem Gitter.
9.20 Eine Putzfrau geht mit einem Strohbesen über den Teppich und wässert den steinernden Eingangsbereich
9.30-10 Die Kollegen treffen ein
9.45 Erster Durchlauf der Wasserfilteranlage, die dabei digitale Musik macht
10 Ausdruck der Emails auf einem Nadeldrucker
12 Tee-Pause mit einem Keks
14 Mittagessen. Entweder es wird bestellt oder alle essen ihr mitgebrachtes: Meist Reste vom Vorabend in kleiner Menge, mit etwas Brot. Wenn jemand nichts dabeihat, wird bereitgiebig geteilt
16.30 Teepause mit einem Keks
18 Feierabend
18.01 Alle Steckdosen, Lichter, Ventilatoren, Modems usw werden abgeschaltet
18.05 Der Facility Manager schließt das Büro ab: Zuerst werden innen alle Räume abgeschlossen und am Ende die Außentür mit vier Schlössern an zwei Türen und einem Gitter.
Dienstag, 3. März 2009
Massage die zweite: Lieferung frei Haus
I did it again. Ich habe es nochmal gewagt nach der letzten unangenehmen Erfahrung. Eine indische Bekannte empfahl mir eine Masseurin, die auch nach Hause kommt. Sie sollte mich gestern von der Arbeit abholen. Als ich das Büro verließ, standen da eine junge und eine ältere Frau in Saris vor der Tür - die jüngere war meine Masseurin, die ihre Mutter mitgebracht hatte. Nagut, dachte ich, sie will wohl sehen, wohin es geht und dass ihre Tochter in Sicherheit ist. Beide begleiten mich also in mein Zimmerchen, das ja wie gesagt durch mehrere Schlösser von der Außenwelt abgeriegelt ist. Dort angekommen stellt sich heraus, dass die Mutter keineswegs gedenkt, uns jetzt allein zu lassen. Als ich ihr versuche zu sagen, dass mir das nicht so recht wäre, beginnt das Problem. Wir haben sowieso sprachliche Probleme: "Mam, my language: Hindi" "And my language is English, sorry!" und können uns nicht wirklich verständigen. Da beide zögern, sage ich: "It is up to you. Come in and have a look or we could also just leave it." Beide schauen sich das Zimmer an und schlagen dann vor, dass die Mutter die Stunde im Dunkeln auf dem Stuhl vor dem Zimmer wartet. Was für mich zwar ok wäre, aber ich mir nicht vorstellen kann, dass es für die Mutter so toll ist. Als ich dann sage, dass ich aber das Gittertor zu- und damit die Mutter und uns einschließen muss, spüre ich erneut Widerstand.
Ich muss dazu sagen - ich rede die ganze Zeit nur über die beiden. Mir selbst war auch keineswegs wohl bei der Sache: Erstens bin ich in dem Zimmer nicht zu Hause, zweitens kenne ich die Frau ja auch nicht, drittens ist Massage sowieso was ziemlich persönliches, viertens ist die Idee einer Home-Massage in einem fremden Zimmer an sich schon seltsam. Ich war also mehrmals kurz davor, das ganze abzublasen - allein der Gedanke an einen Abbruch war schon erleichternd. Dann aber wieder will ich ja alles ausprobieren, was hier üblich ist. Und Massage zu Hause ist üblich. Überall hängen Zettel: Massage in your home, only for Ladies. Und eine Telefonnummer. Ich fragte Sumit schon in Pune danach. Er meinte, Massage sei oft in der Tat ein Deckname für etwas anderes, aber wenn es so explizit nur für Ladies ist, sei es sicher in Ordnung. Das heißt, dass Inderinnen sowas auch in Anspruch nehmen. Deshalb wollte ich das also ausprobieren, auch wenn ich mich unwohl fühlte. "Da musste jetzt durch und zumindest alle Möglichkeiten ausloten", denke ich in solchen Situationen immer.
Nun gut, zurück zur Situation vor meiner Zimmertür. Ich bot der Mutter an, dass sie den Schlüssel für das Schloss auch haben kann, aber auch das wurde nicht enthusiastisch begrüßt. Als rettende Idee kam mir dann, meine Vermieterin, die zumindest Englisch spricht, miteinzubeziehen. Wir klingeln also bei ihr und sie vermittelt in der Tat. Die Mutter darf bei ihr im Wohnzimmer warten und das Schloss übergebe ich ihr auch. Alle sind einigermaßen beruhigt und zufrieden.
Die Massage selbst war ziemlich gut, nur dass sie mich geschlagen hat. Andauernd. Ist das üblich? Also ich wurde das letzte Mal so als kleines Kind versohlt. :) Aber wenn sie mich nicht geschlagen hat, war die Massage ziemlich gut und entspannend. Ich habe ihr dann, weil ich es nicht kleiner hatte, gleich die Bezahlung für eine zweite Massage gegeben und wir sehen uns am Donnerstag wieder. Mal sehen, ob sie dann wieder mit Mama anrückt. :)
Als wir beide dann aus dem Zimmer raustreten, weil ich sie zum Tor bringen wollte, kommen uns die beiden älteren Ladies gerade entgegen, die in bestem Einvernehmen gerade einen gemeinsamen Abendspaziergang gemacht hatten. Die Masseurin entschuldigt sich noch für ihr Zögern am Anfang, woraufhin ich ihr natürlich nur versichern kann, dass es völlig ok und verständlich ist, schließlich kannte sie mich ja nicht.
Ich muss dazu sagen - ich rede die ganze Zeit nur über die beiden. Mir selbst war auch keineswegs wohl bei der Sache: Erstens bin ich in dem Zimmer nicht zu Hause, zweitens kenne ich die Frau ja auch nicht, drittens ist Massage sowieso was ziemlich persönliches, viertens ist die Idee einer Home-Massage in einem fremden Zimmer an sich schon seltsam. Ich war also mehrmals kurz davor, das ganze abzublasen - allein der Gedanke an einen Abbruch war schon erleichternd. Dann aber wieder will ich ja alles ausprobieren, was hier üblich ist. Und Massage zu Hause ist üblich. Überall hängen Zettel: Massage in your home, only for Ladies. Und eine Telefonnummer. Ich fragte Sumit schon in Pune danach. Er meinte, Massage sei oft in der Tat ein Deckname für etwas anderes, aber wenn es so explizit nur für Ladies ist, sei es sicher in Ordnung. Das heißt, dass Inderinnen sowas auch in Anspruch nehmen. Deshalb wollte ich das also ausprobieren, auch wenn ich mich unwohl fühlte. "Da musste jetzt durch und zumindest alle Möglichkeiten ausloten", denke ich in solchen Situationen immer.
Nun gut, zurück zur Situation vor meiner Zimmertür. Ich bot der Mutter an, dass sie den Schlüssel für das Schloss auch haben kann, aber auch das wurde nicht enthusiastisch begrüßt. Als rettende Idee kam mir dann, meine Vermieterin, die zumindest Englisch spricht, miteinzubeziehen. Wir klingeln also bei ihr und sie vermittelt in der Tat. Die Mutter darf bei ihr im Wohnzimmer warten und das Schloss übergebe ich ihr auch. Alle sind einigermaßen beruhigt und zufrieden.
Die Massage selbst war ziemlich gut, nur dass sie mich geschlagen hat. Andauernd. Ist das üblich? Also ich wurde das letzte Mal so als kleines Kind versohlt. :) Aber wenn sie mich nicht geschlagen hat, war die Massage ziemlich gut und entspannend. Ich habe ihr dann, weil ich es nicht kleiner hatte, gleich die Bezahlung für eine zweite Massage gegeben und wir sehen uns am Donnerstag wieder. Mal sehen, ob sie dann wieder mit Mama anrückt. :)
Als wir beide dann aus dem Zimmer raustreten, weil ich sie zum Tor bringen wollte, kommen uns die beiden älteren Ladies gerade entgegen, die in bestem Einvernehmen gerade einen gemeinsamen Abendspaziergang gemacht hatten. Die Masseurin entschuldigt sich noch für ihr Zögern am Anfang, woraufhin ich ihr natürlich nur versichern kann, dass es völlig ok und verständlich ist, schließlich kannte sie mich ja nicht.
Sonntag, 1. März 2009
Entdeckungsreise in Kolkata: Walking around
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| k_kolkata |
Kolkata ist wirklich anders als die anderen Städte. Dass ich hier angekommen bin, könnt ihr auf den Fotos unschwer an den coolen gelben Taxis erkennen, die das Straßenbild prägen. Die Straßenbahnen sind eine weitere Kolkata-Besonderheit. Außerdem soll Kolkata die einzige Stadt in Indien sein, wo es noch Rikscha-Läufer gibt, also Männer, die mit ihrer eigenen Kraft und ihren eigenen Füßen andere Menschen auf einem Wagen hinter sich herziehen. In anderen Städten wurde das schon lange abgeschafft, was die Regierung auch hier versucht hat. Aber gestern erklärte mir eine Inderin: "Diese Männer sind sehr stark und sie haben sonst keine anderen Fähigkeiten. Wenn man es ihnen verbietet, habe sie keine Lebensgrundlage. Also wird es jetzt wieder toleriert."
Kolkata ist zudem eine gute Shopping-Stadt. Viele Märkte bilden sich hier beispielsweise um die Metro-Station Esplanade, wo auch viele Backpacker-Hotels sind. Ich bin viel rumgelaufen, habe ein bisschen eingekauft, mir das Victoria Memorial angeschaut, an einem Straßenstrand gefrühstückt und in einem Hotelschiff zu Mittag gegessen - Probleme hatte mein Magen mit letzterem. Ich vermeide es immer noch, frische Säfte an der Straße zu kaufen, aber alles andere vertrage ich besser als die Küche der Hotels und großen Restaurants. Zum Thema Street-Food wird es demnächst an dieser Stelle ein paar mehr Infos geben.
Zugreisen und ihre Planung
Ich fahre sehr gerne Bahn. Überall auf der Welt bin ich immer beeindruckt, wie gut das funktioniert und wie komfortabel man sich auf Schienen durch ein Land bewegen kann. Auch in China hat mich das System echt begeistert, dort habe ich keinen Zug erlebt, der zu spät war. Das ist in Indien anders, die drei Züge, in denen ich gefahren bin, waren alle mindestens eine halbe Stunde verspätet. Aber das finde ich nicht schlimm. Was ich jedoch fatalerweise unterschätzt habe, war die Vorbereitungszeit. Man kann hier nicht einfach so in einen Zug hüpfen. Auch nicht übermorgen. Schon gar nicht, wenn es eine Nachtfahrt ist und man eine Liege braucht. Wer das will, muss sich mindestens, wirklich allermindestens zwei Wochen vorher festlegen. Das sagte mir Rajesh zwar auch, auch eine Deutsche, die hier lebt, wies mich darauf hin. Ich hörte es, glaubte es und dachte aber dennoch, wird schon irgendwie klappen. Ich kümmere mich um meinen Urlaubstripp nach Darjeeling und Puri, wenn ich in Kolkata angekommen bin.
Letzten Freitag, also am 27.2. war kein einziger Platz mehr für irgendeinen Zug gen Darjeeling am 9.3. zu bekommen. Nichts zu machen. Am 10. habe ich dann noch zwei Betten gefunden von insgesamt noch drei verfügbaren. Ein Blick auf den zweiten Teil der Tour gen Puri offenbarte, dass auch dort die Züge - wir reden hier vom 20.3. - völlig ausgebucht sind. Seufz. Menno. An für uns nicht ganz optimalen Daten habe ich jetzt noch Plätze gefunden, zwei Fahren davon in der ersten Klasse, weil da eben noch was frei war. Das Internetportal der indischen Bahn ist super, nur dass man sich auch registrieren muss, wenn man nur eine Verbindung nachschauen will. Und ich kann leider keine Online-Tickets buchen, weil man dazu eine indische Kreditkarte braucht. Ich muss mir also einen Zug raussuchen, dessen Verfügbarkeit prüfen und dann ein Blatt wie dieses ausfüllen.

Damit tigere ich dann zu einem "Computerized Booking Office", stelle mich in die lange Schlange und kaufe die Tickets.
Letzten Freitag, also am 27.2. war kein einziger Platz mehr für irgendeinen Zug gen Darjeeling am 9.3. zu bekommen. Nichts zu machen. Am 10. habe ich dann noch zwei Betten gefunden von insgesamt noch drei verfügbaren. Ein Blick auf den zweiten Teil der Tour gen Puri offenbarte, dass auch dort die Züge - wir reden hier vom 20.3. - völlig ausgebucht sind. Seufz. Menno. An für uns nicht ganz optimalen Daten habe ich jetzt noch Plätze gefunden, zwei Fahren davon in der ersten Klasse, weil da eben noch was frei war. Das Internetportal der indischen Bahn ist super, nur dass man sich auch registrieren muss, wenn man nur eine Verbindung nachschauen will. Und ich kann leider keine Online-Tickets buchen, weil man dazu eine indische Kreditkarte braucht. Ich muss mir also einen Zug raussuchen, dessen Verfügbarkeit prüfen und dann ein Blatt wie dieses ausfüllen.
Damit tigere ich dann zu einem "Computerized Booking Office", stelle mich in die lange Schlange und kaufe die Tickets.
Entdeckungsreise in Kolkata: Die Metro
Gestern war Samstag und ich bin losgezogen, um Kalkuta kennen zu lernen. Ich habe es mir in Google Maps angeschaut und den kürzesten Weg zur nächsten Metro (30 min Autofahrt), es gibt nur eine Metrolinie bisher, rausgesucht. Bin ins Taxi gesprungen und dorthin gefahren. Am Metroeingang wurde ich mit den beruhigenden, grün blinkenden Worten begrüßt: "Metroservice available". Die Station selbst war sehr schäbig, die steinernen Treppen schon mehrere Zentimeter tief abgelaufen von den tausenden von Menschen, die hier seit 1984 tagaus, tagein hoch- und runterlaufen.
Das teuerste Ticket für die längste Strecke kostet 8 Rupien, also 13 Cent. Am Bahnsteig ist es recht dunkel. Überall stehen große, unheimliche Ventilatoren rum, die für ein wenig Luftbewegung sorgen. Ein Fernseher überträgt ein Fußballspiel, was mit Interesse verfolgt wird. Dann fährt sie ein. Sie ist voll. Sehr voll. So voll, dass "voll" in seiner Wortbedeutung nicht ausreicht.
Aber wir wollen alle auch noch rein. Yipieh! Auf in die Schlacht! Ein Schubsen und Drängen geht los, was man echt erlebt haben muss. Und dann gehen die Türen zu. Irgendwie. Und wieder auf. Und wieder zu. Etwa dreimal macht der Fahrer dieses Spiel, vielleicht war an anderer Stelle jemand eingeklemmt. Als sich die Bahn ächzend in Bewegung setzt, bin ich froh, dass ich das Glück habe, direkt an einer Frau zu kleben. Also so richtig, ganzer Körper an ganzem Körper. Die folgenden Stationen wird es nicht viel besser, aber irgendwann dann steigt doch ein nennenswerter Teil aus, ein paar Stationen später sogar so viele, dass ich mich setzen kann und erstmals das Schild über den Bänken entdecke: "Ladies". Sehr nett, zumindest sitzen kann man in der U-Bahn als Frau recht unbehelligt. Fotografieren ist leider verboten, deshalb muss euch meine Beschreibung reichen.
Das teuerste Ticket für die längste Strecke kostet 8 Rupien, also 13 Cent. Am Bahnsteig ist es recht dunkel. Überall stehen große, unheimliche Ventilatoren rum, die für ein wenig Luftbewegung sorgen. Ein Fernseher überträgt ein Fußballspiel, was mit Interesse verfolgt wird. Dann fährt sie ein. Sie ist voll. Sehr voll. So voll, dass "voll" in seiner Wortbedeutung nicht ausreicht.
Aber wir wollen alle auch noch rein. Yipieh! Auf in die Schlacht! Ein Schubsen und Drängen geht los, was man echt erlebt haben muss. Und dann gehen die Türen zu. Irgendwie. Und wieder auf. Und wieder zu. Etwa dreimal macht der Fahrer dieses Spiel, vielleicht war an anderer Stelle jemand eingeklemmt. Als sich die Bahn ächzend in Bewegung setzt, bin ich froh, dass ich das Glück habe, direkt an einer Frau zu kleben. Also so richtig, ganzer Körper an ganzem Körper. Die folgenden Stationen wird es nicht viel besser, aber irgendwann dann steigt doch ein nennenswerter Teil aus, ein paar Stationen später sogar so viele, dass ich mich setzen kann und erstmals das Schild über den Bänken entdecke: "Ladies". Sehr nett, zumindest sitzen kann man in der U-Bahn als Frau recht unbehelligt. Fotografieren ist leider verboten, deshalb muss euch meine Beschreibung reichen.
Incredible India: Beim Schneider
Ich berichtete ja bereits davon, mir einen sogenannten 3-Pieces-Suit zu kaufen. Der Fahrer in Agra brachte mich zu einem seiner Bekannten, einem Schneider. Dort wählte ich mir einen Stoff aus - für diese Anzüge werden die hier in fertigen Sets angeboten, also soundsoviel Meter für das Oberteil, soundsoviele für die Hose und einen farblich perfekt passenden Schal dazu. Innerhalb von einer Stunde (!) zauberte mir dieser Mann einen maßgeschneiderten Anzug, den ich echt toll finde. Ich habe mir im Laden nebenan noch einen von der Stange gekauft, der auch echt was hermacht. Die türkise Kombination hatte ich sogar schon bei geschäftlichen Treffen an, was wirklich gut ankommt. Und man fühlt sich so wohl darin! So elegant wie die indischen Frauen werde ich zwar nie wirken, aber es ist wirklich ein tolles Tragegefühl. Bin mal gespannt, ob ich die auch in Deutschland anziehe. Lieber Chef, Sie können für diese Gelegenheit schon mal an ein paar bissigen Kommentaren arbeiten. :) Ich habe extra relativ dezente Modelle ausgewählt. Anbei die Fotos, die eurer euphorischen Kommentare harren. :)
Gleiches habe ich übrigens hier in Kalkuta probiert, es ging nicht ganz so schnell und kostete einen kleinen Aufpreis, aber geklappt hat es auch. Ich bin jetzt also im stolzen Besitz sechs 3-Piece-Suits, von denen vier maßgeschneidert sind! Die Preise werden euch sicher auch interessieren. Beide Anzüge von der Stange waren leicht teurer (!) als die maßgeschneiderten, aber alle bewegen sich so zwischen vier und sieben Euro jeweils. Unglaublich, oder?
Gleiches habe ich übrigens hier in Kalkuta probiert, es ging nicht ganz so schnell und kostete einen kleinen Aufpreis, aber geklappt hat es auch. Ich bin jetzt also im stolzen Besitz sechs 3-Piece-Suits, von denen vier maßgeschneidert sind! Die Preise werden euch sicher auch interessieren. Beide Anzüge von der Stange waren leicht teurer (!) als die maßgeschneiderten, aber alle bewegen sich so zwischen vier und sieben Euro jeweils. Unglaublich, oder?
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| daniela im 3-pieces-suit |
Donnerstag, 26. Februar 2009
Das Zimmerchen in Salt Lake
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| zimmerchen |
Genau wie Sumit lebt und arbeitet Kollege Rajesh nicht im Stadtzentrum von Kolkata, sondern in einem Außenbezirk: Salt Lake. Hier ist es ebenfalls ruhiger, grüner und etwas stiller als mitten in der Stadt. Als Rajesh mich fragte, ob er mir für die Zeit hier ein Hotelzimmer (ca 50 Euro pro Tag), eine Pension (ca 30 Euro pro Tag) oder ein Appartment (ca 120 Euro für einen Monat) buchen soll, sagte ich (ganz der vorbildliche Arbeitnehmer :)): "Das billigste. Solang es ne Dusche und einen Ventilator hat und keine Kakerlaken rumkriechen, bin ich zufrieden." So wohne ich jetzt in dem sogenannten Appartment. Es ist ein Zimmerchen, das seine besten Tage schon gesehen hat, aber es erfüllt die von mir genannten Kriterien. Obwohl - warmes Wasser hat die Dusche nicht. Da das in Indien nicht zentral geregelt ist, braucht jeder, der warm duschen will, einen Boiler daheim. Ich könnte mir von meiner Vermieterin immer einen großen Eimer heißes Wasser geben lassen, den dann mit kaltem mischen und mich damit abduschen (ein kleiner Gießeimer ist im Set enthalten). Da es hier aber so heiß ist, habe ich es bisher ganz gut geschafft, auch kalt zu duschen. Das Zimmer liegt im Erdgeschoss und ist mit drei großen Schlössern vor der Außenwelt gesichert. Wenn ich also heimkomme, muss ich mich erstmal hier in Fort Knox durch die Sicherheitskontrollen zwängen. Morgens höre ich hier den Milchmann, den Postboten, den Kartoffelmann, den Wäschemann (nehme ich zumindest an, ich verstehe ja nicht, was sie rufen) und sonstige Anbieter vorbeidüsen, die ihre Dienste lauthals anpreisen. Da sie das aber nicht so früh machen, ist das völlig in Ordnung. Toll ist, dass ich nur fünf Minuten laufen muss, bis ich im Büro bin. Rajesh hat mir zudem gestern eine Karte gemalt, wo meine wichtigen Ankerpunkte verzeichnet sind: Internetcafe, Frühstücksort, diverse kleine Restaurants für andere Mahlzeiten, ein Markt, ein Kino, ein großer Park, ein Geldautomat. Alles fußläufig. Das Zimmerchen ist also völlig in Ordnung für mich und erinnert an die Studienzeit etwa in China. Der Unterschied allerdings zu den sensationellen Zimmern, in denen ich in Delhi (Le Meridien) und Chennai (GRT Grant) - hier hatte eine halbstaatliche indische Organisation eingeladen - schlafen durfte, ist entsprechend exorbitant. Da hier aber die meisten Unterschiede exorbitant sind, passt auch das perfekt in den Aufenthalt.
Mittwoch, 25. Februar 2009
Die Traktor-Massage
Während bei uns in der Shampoo-TV-Werbung ein Fokus auf schuppendem Männerhaar liegt, ist in Indien das ausfallende Frauenhaar eher ein Thema. Bis jetzt habe ich nicht verstanden, woran das liegt. Nach der heutigen Massage bin ich etwas schlauer. Nach einem Tag, an dem ich 26 (in Worten: SECHSUNDZWANZIG) Meetings hatte, alle mit indischen Fabrikanten, die ihre Produkte verkaufen wollen, war ich so platt, dass ich mir eine Massage gönnen wollte. Nach dem letzten Aufenthalt in Indien kannte ich die Aryuveda-Massage und habe sie als sehr sanft, sehr ölig und wirklich entspannend in Erinnerung. 16 Euro kostet die Stunde im hoteleigenen Spa, das ist natürlich billiger als in Deutschland, aber teurer als in China, wo ich letzten November auch die ein oder andere Massage nach den langen Messetagen genossen habe. In China haben die Indien-erfahreneren Kollegen von der Messe noch gelästert: "Ja, wir müssen die Massagen hier in China mitnehmen, in Indien ist das ja alles ganz anders. Was die da unter Aryuveda-Massage verkaufen, ist ja eher eine Art Öl-Streicheln." Ich folge also vertrauensvoll der jungen Frau, die mich in DIE KAMMER führt. Atmosphäre ist hier unwichtig, lediglich ein kleiner Altar für die indischen Götter versucht ein wenig Stimmung zu machen. Musik gibs auch keine. Dafür aber die plärrenden Kinder und keifenden Mütter von der Umkleide des Swimmingpools, die direkt nebenan ist. Diese klopfen auch von Zeit zu Zeit an die Tür, weil meine Masseurin auch die Schlüsselmeisterin der Umkleideschränke ist. Nun gut. Es geht los - zuerst die Haarausreißmassage. Im Sitzen knetet sie meine Kopfhaut, dass mir Hören und Sehen vergeht. Ist bestimmt für irgendwas total gut gewesen, aber angenehm war es nicht. Dann die richtige Massage. Sie zäumt das Pferd, also mich, von hinten auf. Sie beginnt bei den Beinen und Füßen auf der Vorderseite, ich liege also auf dem Rücken. Sie knetet, zieht, drückt, presst was das Zeug hält und ich werde immer angespannter. Normalerweise geht so eine Stunde Massage extrem schnell rum und man würde am liebsten gleich noch eine dranhängen. Glaubt mir, hier nicht. Diese Stunde wollte nicht vergehen. Bin gespannt, wann ich das das nächste Mal wage.
Dienstag, 24. Februar 2009
Tochter? Sohn?
Habe heute meinen neuen Kollegen Srinath kennen gelernt, der im April Vater wird. Als ich fragte, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, erzählte er mir, dass es den Ärzten in Indien verboten sei, diese Info an die Eltern zu geben. Ihr habt wahrscheinlich schon davon gehört, dass es derzeit einen frappanten Mädchenmangel gibt, weil viele Eltern ihre Töchter abtreiben lassen. Anders als in China geht es hier weniger um die Arbeitskraft, die bei einem Jungen größer als bei einem Mädchen. In Indien ist es vor allem die Problematik der Mitgift. Selbst gut verdienende, wohl situierte Väter müssen, wenn sie zwei oder drei Töchter unter die Haube gebracht haben, finanziell gesehen so ziemlich bei Null anfangen. Die Aussteuer oder Mitgift ist oft so hoch, dass sie die Familie der Braut in die Mittellosigkeit stürzt. Damit nun keine weiteren Mädchen abgetrieben werden, dürfen also anscheinend die Ärzte das Geschlecht des Ungeborenen nicht verraten.
Amber-Ford in Jaipur
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| jaipur-web |
Jaipur ist auch als Pink City bekannt, weil viele Gebäude hier in dieser Farbe bemalt sind. Wobei ich es eher als Terrakotta mit Rosastich bezeichnen würde. Aber gut, das sind Spitzfindigkeiten. Nach drei Tagen unterwegs im Goldenen Dreieck (Delhi-Jaipur-Agra) muss ich rückblickend sagen: Am besten hat mir das Amber Fort in Jaipur gefallen. Und warum? War es soviel anders als die anderen beeindruckenden Forts oder Burgen oder Stätten, die ich besichtigte? Wahrscheinlich nicht - aber wie immer sind es die Details. Das Amber Fort hat eine Audio-Führung, die sensationell ist. Verschiedene Stimmen, die sehr anschaulich und farbig die verschiedenen Stellen des Forts beschreiben, und zwar in der Ich-Form: "Ich bin die Empfangshalle. Ich habe viele Könige kommen und gehen gesehen, die in mir ihre Audienzen abgehalten haben...." usw. Wirklich toll. Ich war richtig verzaubert. Es ist ja immer so: Je mehr Zugang man zu etwas bekommt, desto enger wird die Bindung und desto toller kann man es finden. Außerdem hatte dieses Fort noch ein schönes Cafe, in dem ich mit einem leckeren Schokogetränk die sensationelle Aussicht genoss.
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