Donnerstag, 12. Februar 2009

Mumbai und Pune

Direkt vom Tempel sind wir dann in den Bus nach Pune gestiegen. Die lange Fahrt wird mit lauten Bollywood-Filmen versüßt, die kein Entkommen zulassen - außer einer sehr angeregten Unterhaltung. In der Mitte eine kurze Rast in einer Hillstation, deren Romantik in der Dunkelheit leider nicht erkennbar war. Aber es sei am Tage sehr romantisch, wie mir Sumit versicherte. Hier der erste Kontakt mit Vadapaws (etwa Wardapao ausgesprochen) - köstliche Bälle aus Kartoffeln, Gemüse, Gewürzen, frittiert, die man in ein Brötchen legt, mit rotem Pulver bestreut und dazu in Salz eingelegte Pepperoni ist. KÖSTLICH!

Zitat aus indischem Mund: "Ohne Vadapaws würde ganz Mumbai zusammenbrechen. Jeder isst jeden Tag mindestens eins!" "Wirklich, nein, du übertreibst, oder?" "Nein, wirklich! Naja, vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber wer ein paar Tage lang keins gegessen hat, ist kein Mumbaier, ganz klar." Die kleine Köstlichkeit kostet 5 Rupien, also 7 CENT und wer wie Sumit die Geheimtipps der Stadt kennt, zahlt sogar nur vier. Dazu gibt es heißen süßen Milchtee, der die Schärfe erträglich macht und eine perfekte Ergänzung im Mund bietet. Rede ich zuviel über Essen?

Ok, Themawechsel: Das Hotel Centurion ist stylisch und sehr empfehlenswert. Die Nacht ist kurz, die nächsten Tage lang und heiß.

Jetzt wird es geschäftlich, der Teil kann von den Nicht-VDMAlern gerne überlesen werden. Die Firmenbesuche zeigen bisher deutlich, dass Indien zwar von der Krise auch betroffen ist, aber nicht so stark wie etwa Europa. Grund: Die inländischen Banken haben nicht solche Probleme wie die unseren und die Exportabhängigkeit ist viel kleiner, da die inländische Nachfrage noch die wichtigere Stütze ist. Wen es wirklich hart getroffen hat sind diejenigen, die sich als Zulieferer jahrelang auf die Autoindustrie fokussiert haben. Dort sind wirklich Einbrüche spürbar, über die auch offen gesprochen wird. Doch in diesen Unternehmen nimmt man die Chance wahr, sich jetzt nach anderen Geschäftsfeldern umzusehen. Bei Tata hingegen scheint von der Krise nicht mehr viel zu spüren zu sein. Im Januar habe es einen deutlichen Einbruch gegeben, aber jetzt wäre man wieder auf Normalniveau. Der Nano wird bald von den Bändern rollen und soll für weiteren Umsatz sorgen.
Spannend ist auch der Unterschied zwischen Unternehmen mit indischer und deutscher Leitung. Wenn ich in Deutschland ein Unternehmen besuche und mit dem Geschäftsführer durch die Hallen laufe, kennt er meistens jeden Arbeiter beim Namen und grüßt sie alle. Das würde ein indischer Chef so gut wie nie tun - und das wird als einer der Gründe genannt, warum deutsche Arbeitgeber in Indien sehr gefragt sind. Das Klima sei einfach anders, die Unterschiede nicht sooo gewaltig zwischen den einzelnen Abteilungen.

Unser Pune-Aufenthalt endet mit der Fahrt zum Flughafen, auf der ich ein paar Bilder schießen kann.
Pune

Am Flughafen dann eine Schlange, die bestimmt 50 Meter lang ist. "Ist das unsere Schlange?" "Oh ja!" Erst beim Nähertreten wird klar, dass das keineswegs die ganze Schlange war, sondern nur eine ihrer vier Windungen und dass das Ende recht schwer auszumachen ist. Erstaunlich ist die Menge an deutschen Geschäftsleuten, die sich in der Schlange und am ganzen Flughafen befinden - wir schätzen, etwa 10% aller Passagiere waren Deutsche. Wir reihen uns in die Schlange ein und warten etwa 45 min, bis auch wir durch die Sicherheitskontrolle dürfen. Puh! Der Flieger hat 20 min Verspätung. Der Flug dauert gut 2h bis nach Delhi - ich bin begeistert von Jet Airways. Bestimmt doppelt so gut wie Lufthansa. Jeder hat seinen eigenen Monitor mit Serien, Filmen, Spielen, Musik usw. Genial. Das Essen ist spitze, also wirklich gutes, indisches Essen, wie auch Sumit bestätigt. Der Service ist extrem freundlich.

Über Delhi kreisen wir dann weitere 20min bis wir endlich die Landeerlaubnis erhalten.

Montag, 9. Februar 2009

"Und, aufgeregt?!"

Wer sieben Wochen nach Indien fährt, wird diese Frage spätestens zwei Wochen vor Abfahrt zwei bis sieben Mal täglich hören. Ich war überhaupt nicht nervös, konnte am Abend vor der Abreise perfekt einschlafen - um am Sonntag mit einem Hubschrauber im Bauch aufzuwachen, dessen Propeller sich schon einige Male um meine Eingeweide gedreht hatte. Ja, jetzt bin ich aufgeregt!

Nach einem glücklicherweise unspektakulären Flug um 2 Uhr nachts in Mumbai angekommen gleich die ersten Vergleiche mit China: Der international Flughafen der indischen Finanzmetropole wird nicht sehr international. Keiner weiß, auf welchem der sechs Bänder sein Koffer rauskommen wird. Es sind nur zwei in Betrieb und nach einiger Zeit wird das zuständige Band über Lautsprecher angesagt. Der Fahrer wartet geduldig vor dem Flughafen und bringt mich zuverlässig zum nahegelegene Hotel. Trotz der späten Stunde sind insgesamt fünf Herren um mich bemüht und helfen mit Gepäck und Einchecken.

Am nächsten Morgen zur Bank, Geld abheben und W-Lan ausprobieren: Alles tadellos. Weniger neugierige Blicke als in China, sehr freundliche Leute, sehr warm, schöne Farben, viel Staub.

Mit Kollege Sumit dann der erste Firmen- gefolgt vom ersten Tempelbesuch. Beides hochinteressant. Im Tempel sind es die westlichen Krishna-Anhänger, die sich am ostentativsten auf den Boden werfen, wie uns beiden auffällt. Ich dachte immer, man bringt Speisen in den Tempel - geht auch, um sie segnen zu lassen. Hier jedoch wurden wir sogar noch gespeist, mit einem köstlichen Reis in Blätterschüsseln. Genial, oder? Während wir uns mit Esspappe abmühen, um unsere Currywurst umweltgerecht zu verspeisen, nimmt man hier große Blätter und trocknet sie als Schüsseln geformt.

Ich habe bisher wenige Fotos gemacht, vor allem am Strand.
Daniela in Indien


Noch ein paar stichwortartige Worte zu Mumbai: Hier boomt das wirtschaftliche Leben und zieht entsprechend alle Schichten aus dem ganzen Land an. Egal, wie arm - wer hier ankommt, findet am nächsten Arbeit. Es mag vielleicht keine schöne Stadt zum Leben sein, aber für die Karriere ist sie toll. Auch scheinen hier die Gegensätze besonders krass, krasser als im übrigen, durchaus ebenfalls gegensätzlichen Indien. Sehr arme Leute leben sprichwörtlich Tür an Tür mit sehr reichen - und kommt miteinander aus. Und es ist wohl die einzige Stadt in Indien, in der man beim Besteigen der TucTucs (Dreiräder zum Befördern von zwei bis acht Personen) NICHT handeln braucht, da nur das zählt, was der Zähler zählt.

Preise:
Persönlicher Fahrer für 8h und 80 km: 900 Rupien (15 Euro)
Bus von Mumbai nach Pune, braucht 2-5h: 250 Rupien (4 Euro)